Paketweiterleitung als Job: So funktioniert der Betrug mit Paketagenten

Sicherheit

Jobs, bei denen du gegen Bezahlung Pakete annehmen und weiterschicken sollst, sind fast immer Betrug. Die Ware wurde meist mit gestohlenen Konto- oder Kartendaten bestellt, und du bist das letzte sichtbare Glied der Kette. Die versprochene Bezahlung bleibt aus, dafür drohen Ermittlungen und Forderungen. So erkennst du die Masche und so handelst du, wenn du schon Pakete angenommen hast.

Arbeitia-RedaktionStand: September 2026ca. 6 Min. Lesezeit

Illustration: Schild als Symbol für Schutz vor Betrug mit Paketweiterleitung

So funktioniert die Masche

Die Anzeigen heißen „Paketagent“, „Warenprüfer“, „Logistikassistent im Homeoffice“ oder „Versandmitarbeiter von zu Hause“. Der Ablauf ist fast immer gleich:

  1. Anwerbung: Du bewirbst dich auf eine Anzeige oder wirst per Messenger oder E-Mail angesprochen. Das „Vorstellungsgespräch“ ist kurz oder findet gar nicht statt, eine Zusage kommt schnell.
  2. Datenabfrage: Du sollst Ausweiskopie, Adresse und manchmal Bankdaten schicken, angeblich für den Arbeitsvertrag.
  3. Pakete kommen: An deine Adresse werden Pakete geliefert, oft Elektronik, Markenkleidung oder Parfum. Häufig stehen dein Name oder ein fremder Name auf dem Etikett.
  4. Weiterschicken: Du bekommst per E-Mail oder Messenger Versandlabels, packst um und bringst die Pakete zur Post, oft ins Ausland.
  5. Das Ende: Nach ein paar Wochen ist der „Arbeitgeber“ nicht mehr erreichbar. Lohn wurde nie gezahlt, stattdessen melden sich Händler, Inkassobüros oder die Polizei.

Warum brauchen die Täter dich? Die Waren werden mit gestohlenen Zahlungsdaten gekauft. Würden sie direkt ins Ausland geliefert, würden viele Händler misstrauisch werden. Deine Adresse in Deutschland lässt die Bestellung unauffällig wirken, und die Spur endet bei dir. Diese und weitere Maschen stellt der Ratgeber Seriöse Homeoffice-Jobs erkennen vor.

Woran du solche Anzeigen erkennst

  • Hoher Lohn für einfache Arbeit: Pakete annehmen ist keine Arbeit, die ein seriöses Unternehmen gut bezahlt an Privatleute vergibt.
  • Keine überprüfbare Firma: Kein Impressum, eine Firmenadresse im Ausland, eine Website, die erst wenige Wochen alt ist oder eine echte Firma kopiert.
  • Kommunikation nur per E-Mail oder Messenger: Kein Telefonat, kein Videocall, keine erreichbare Personalabteilung.
  • Ausweiskopie vor Vertragsbeginn: Seriöse Arbeitgeber brauchen deine Ausweisdaten nicht, bevor ein Vertrag unterschrieben ist.
  • Pakete mit fremden Namen: Spätestens jetzt ist klar, dass etwas nicht stimmt.
  • Versand an Packstationen oder ins Ausland: vor allem in Länder, in die man Waren sonst einfach direkt liefern könnte.

Welche Folgen drohen

Viele Betroffene handeln in gutem Glauben und sind selbst Opfer: Sie haben gearbeitet und keinen Lohn bekommen. Trotzdem können Folgen auf dich zukommen:

Bereich Mögliche Folgen
Strafrecht Die Polizei ermittelt gegen die Adresse, an die die Ware ging. Je nach Fall wird geprüft, ob Hehlerei, Geldwäsche oder Beihilfe zum Betrug vorliegt. Entscheidend ist oft, ob du hättest erkennen müssen, dass etwas nicht stimmt.
Zivilrecht Händler oder die Menschen, deren Daten missbraucht wurden, können Schadensersatz verlangen.
Deine Daten Mit deiner Ausweiskopie können die Täter weitere Verträge, Konten oder Bestellungen auf deinen Namen abschließen.

Keine Rechtsberatung: Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Wende dich bei rechtlichen Fragen an eine Anwältin oder einen Anwalt oder an eine Verbraucherzentrale.

Du bist betroffen: Sofortmaßnahmen

  1. Sofort aufhören: Keine weiteren Pakete annehmen und nichts mehr weiterschicken, auch wenn der „Arbeitgeber“ drängt oder mit Konsequenzen droht.
  2. Pakete nicht weitergeben und nicht behalten: Bewahre noch vorhandene Pakete ungeöffnet auf und frag bei der Polizei nach, was damit geschehen soll.
  3. Keinen Kontakt mehr: Antworte nicht mehr, aber lösche nichts. Die Nachrichten sind Beweise.
  4. Anzeige erstatten: Bei der örtlichen Polizei oder über die Onlinewache deines Bundeslandes. Je früher du selbst meldest, desto besser.
  5. Deine Daten schützen: Hast du eine Ausweiskopie verschickt, informiere dich über die Beratungsangebote der Polizei und prüfe in den nächsten Monaten, ob Verträge oder Bestellungen auf deinen Namen auftauchen. Eine kostenlose Selbstauskunft bei der Schufa kann helfen.
  6. Bank informieren: Wenn du Bankdaten weitergegeben hast oder Geld über dein Konto gelaufen ist.

Anzeige und Beweise: was du sammeln solltest

  • Die ursprüngliche Stellenanzeige (Screenshot mit Datum und Website)
  • Alle E-Mails und Chatverläufe, inklusive Absenderadressen und Telefonnummern
  • Einen „Arbeitsvertrag“, falls du einen bekommen hast
  • Sendungsnummern, Versandlabels und Einlieferungsbelege
  • Eine Liste: Welche Pakete kamen wann, wohin gingen sie?

Hilfreiche Informationen zu Betrugsmaschen bietet die Polizeiliche Kriminalprävention. Wer rechtlichen Rat braucht, findet ihn bei einer Anwältin oder einem Anwalt oder bei der Verbraucherzentrale.

Gibt es seriöse Jobs mit Paketen?

Ja, aber sie sehen anders aus: Paketzusteller, Lagerjobs oder Versandmitarbeiter bei einem Onlinehändler arbeiten mit einem Arbeitsvertrag bei einer echten Firma, in deren Lager oder Fahrzeugen, nicht bei sich zu Hause. Eine seriöse Firma lässt keine fremde Ware über Privatwohnungen laufen. Wenn du einen echten Job von zu Hause suchst, findest du geprüfte Angebote zum Beispiel im Kundenservice: Kundenservice im Homeoffice.

Mehr zum Thema: Die zwölf wichtigsten Warnsignale, weitere Maschen und einen Arbeitgeber-Check in zehn Minuten findest du im Ratgeber Seriöse Homeoffice-Jobs erkennen.

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