Firmen, die Heimarbeit vergeben: Branchen, Anfrage und Prüfung

Heimarbeit

Eine öffentliche Liste mit „Firmen, die Heimarbeit vergeben“ gibt es nicht. Wer dir eine solche Liste verkauft, verdient an dir und nicht an der Heimarbeit. Es gibt aber Branchen, in denen Heimarbeit so verbreitet ist, dass dafür eigene Heimarbeitsausschüsse Mindestentgelte festlegen. Hier erfährst du, welche das sind, wie du Betriebe in deiner Region findest und ansprichst und woran du einen echten Auftraggeber erkennst.

Arbeitia-RedaktionStand: Oktober 2026ca. 7 Min. Lesezeit

Frau nimmt an der Wohnungstür eine Kiste mit Kleinteilen für die Heimarbeit entgegen

Dieser Artikel gehört zum Ratgeber Heimarbeit: Verpackungsarbeiten von zu Hause.

Warum es keine Liste „Firmen, die Heimarbeit vergeben“ gibt

Betriebe, die Heimarbeit ausgeben, müssen das der zuständigen Landesbehörde mitteilen und ihre Heimarbeiter in Listen führen (§§ 6 und 7 Heimarbeitsgesetz). Diese Listen sind aber für die Aufsicht bestimmt, nicht für die Öffentlichkeit. Die Behörden veröffentlichen keine Verzeichnisse mit Auftraggebern, bei denen man sich bewerben könnte.

Wer dir trotzdem eine „aktuelle Firmenliste“ gegen Gebühr anbietet, verkauft dir in aller Regel Adressen aus dem Telefonbuch, längst erledigte Anzeigen oder Firmen, die gar keine Heimarbeit vergeben. Die Verbraucherzentralen nennen solche bezahlten Infopakete als typischen Fall unseriöser Nebenverdienst-Angebote. Die gute Nachricht: Alles, was du für die Suche brauchst, bekommst du kostenlos.

In welchen Branchen gibt es echte Heimarbeit?

Einen verlässlichen Hinweis geben die Heimarbeitsausschüsse. Sie werden für Branchen gebildet, in denen Heimarbeit eine Rolle spielt, und können nach § 19 HAG Mindestentgelte verbindlich festsetzen. Die Festsetzungen werden im Bundesanzeiger bekannt gemacht; die Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg und das Regierungspräsidium Darmstadt veröffentlichen sie auf ihren Websites. Zu den Branchen mit eigenen Festsetzungen gehören:

Branche Typische Heimarbeit
Eisen-, Metall- und Elektroartikel, Uhren, feinmechanische und optische Artikel Kleinteile montieren, Kabel konfektionieren, Bauteile stecken, prüfen und verpacken
Spielwaren, Festartikel und verwandte Artikel Teile zusammensetzen, Dekoration und Saisonartikel fertigen, verpacken
Kunststoffartikel Entgraten, Montieren, Sortieren und Verpacken von Kunststoffteilen
Lederwaren Nähen, Kleben, Montieren von Kleinlederwaren

Die Liste ist nicht vollständig, aber sie zeigt das Muster: Heimarbeit gibt es dort, wo eine Fertigung einfache Handarbeit braucht, die sich nicht wirtschaftlich automatisieren lässt. Reine „Verpackungsarbeit“ für Onlinehändler gehört selten dazu – Versandhändler packen in ihren Lagern.

Regional sehr unterschiedlich: Heimarbeit hängt an Betrieben vor Ort und ist deshalb dort häufiger, wo es Kleinindustrie gibt – ein historisches Beispiel ist die Spielwarenherstellung im Erzgebirge. Wo passende Betriebe fehlen, ist echte Heimarbeit selten.

So findest du Betriebe in deiner Nähe

  1. Betriebe in deinem Landkreis auflistenSuche in Karten-Apps und Branchenverzeichnissen nach Montage, Konfektionierung, Elektrotechnik, Kunststoffverarbeitung oder Spielwaren in deiner Umgebung. Für Heimarbeit zählt die Entfernung, denn die Ware wird gebracht oder abgeholt.
  2. Jobbörse der Arbeitsagentur nutzenIn der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit nach „Heimarbeit“ plus Ort suchen. Dort steht bei jeder Stelle der Arbeitgeber mit Namen.
  3. Lokal suchenAushänge im Supermarkt, Amtsblatt der Gemeinde, Lokalzeitung, Nachbarschaftsgruppen. Viele kleine Betriebe vergeben Heimarbeit über persönliche Kontakte.
  4. Zwischenmeister fragenIn manchen Regionen gibt es Zwischenmeister, die Heimarbeit für mehrere Firmen verteilen. Frag bei Betrieben, ob sie über einen Zwischenmeister arbeiten.
  5. Werkstätten und Familienbetriebe nicht vergessenAuch Handwerksbetriebe mit Saisonspitzen brauchen gelegentlich Hilfe für einfache Arbeitsschritte zu Hause.

Die Anfrage: kurzes Muster und die richtigen Fragen

Eine Initiativanfrage für Heimarbeit muss nicht lang sein. Entscheidend ist, dass der Betrieb sofort sieht, wo du wohnst, wann du verfügbar bist und was du kannst:

Beispiel: „Guten Tag, ich wohne in [Ort] und suche Heimarbeit, etwa Montage oder Verpackung von Kleinteilen. Ich kann wöchentlich rund 15 Stunden arbeiten, sorgfältig und termingerecht, und Ware auch selbst abholen. Vergeben Sie Arbeit in Heimarbeit oder kennen Sie einen Zwischenmeister in der Region? Über eine kurze Rückmeldung freue ich mich. Viele Grüße, [Name, Telefon]“

Wenn ein Betrieb Interesse zeigt, frag nach:

  • Welche Arbeit genau, in welcher Menge und bis wann?
  • Wie hoch ist das Entgelt pro Stück, und gibt es ein Entgeltverzeichnis?
  • Wie läuft die Abnahme, und nach welchen Kriterien wird die Qualität geprüft?
  • Wird die Ware gebracht, oder holst du sie ab?
  • Bekommst du ein Entgeltbuch oder Entgeltbelege?

Woran du einen echten Auftraggeber erkennst

Echter Auftraggeber

  • Betrieb mit Adresse, den du besuchen kannst
  • Stückpreis vorab, schriftlich
  • Material gestellt, keine Kosten
  • Entgeltbuch, Urlaubsentgelt und Zuschläge nach Gesetz

Verkäufer von Hoffnung

  • Liste, Handbuch oder „Vermittlung“ gegen Gebühr
  • Postfach, Handynummer, Messenger
  • Startset oder Kaution
  • Monatsverdienst statt Stückpreis

Welche Ansprüche dir als Heimarbeiter zustehen – Urlaubsentgelt von 9,1 %, Zuschlag für Krankheit, Feiertagsgeld, Kündigungsfristen –, steht im Ratgeber Heimarbeit: Verpackungsarbeiten von zu Hause. Wie Heimarbeit versteuert wird, erklärt der Artikel Heimarbeit: Steuern, Sozialversicherung und Gewerbe.

Mehr zum Thema: Warum sich bundesweite Montage-Angebote fast nie rechnen, zeigt der Ratgeber Kugelschreiber zusammenbauen.

Zum Heimarbeit-Ratgeber

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