Schreibtest im Bewerbungsverfahren: So bereitest du dich auf Chat- und E-Mail-Support vor

Chat & E-Mail

Für Jobs im Chat- und E-Mail-Support gehört ein Schreibtest fast immer zum Bewerbungsverfahren. Meist beantwortest du unter Zeitdruck eine fiktive Kundenanfrage, manchmal kommen ein Rechtschreib- oder Tipptest dazu. Bewertet werden vor allem Verständlichkeit, Freundlichkeit, Korrektheit und ob du das Anliegen wirklich löst. So läuft der Test ab und so bereitest du dich in einer Woche vor.

Arbeitia-RedaktionStand: September 2026ca. 7 Min. Lesezeit

Illustration: Sprechblase als Symbol für den Schreibtest im Chat-Support

Wie der Schreibtest abläuft

Der Test kommt meist nach der ersten Sichtung deiner Unterlagen, manchmal auch direkt nach dem Telefoninterview. Üblich sind zwei Varianten:

  • Online-Test zu Hause: Du bekommst einen Link und hast ein festes Zeitfenster, oft 30 bis 60 Minuten für mehrere Aufgaben.
  • Live im Videointerview: Die Aufgabe wird im Gespräch geteilt, du antwortest in einem Dokument oder Chatfenster, während jemand zuschaut. Das ist ungewohnt, zeigt aber auch, wie du unter Beobachtung arbeitest.

Die Grundlagen zur Schreibprobe stehen bereits im Ratgeber Kundenservice ohne Telefon. Hier geht es darum, wie du dich gezielt vorbereitest.

Typische Aufgabentypen

Aufgabe Was geprüft wird So bereitest du dich vor
E-Mail-Antwort auf eine Beschwerde Ton, Struktur, Lösung Beschwerden aus Onlinebewertungen nehmen und Antworten üben
Chat-Simulation mit Zeitlimit Tempo, kurze klare Sätze, Nachfragen Antworten mit Stoppuhr schreiben, höchstens 2–3 Sätze pro Nachricht
Rechtschreibung und Grammatik Kommas, das/dass, Groß- und Kleinschreibung typische Fehlerquellen wiederholen, Onlineübungen
Tipptest Anschläge pro Minute und Fehlerquote kostenlose Tipptrainer, zehn Minuten täglich
Anfrage in einer Fremdsprache Sprachniveau im Schriftlichen Kundenservice-Vokabeln sammeln, Antworten laut lesen
Wissensfrage mit Unterlagen richtige Information finden und weitergeben genau lesen, nichts erfinden, was nicht in den Unterlagen steht

Worauf bewertet wird

  1. Anliegen verstanden: Hast du alle Fragen der Kundin oder des Kunden beantwortet? In Testanfragen stecken oft absichtlich zwei oder drei Punkte.
  2. Lösung und nächster Schritt: Was passiert jetzt, und bis wann? „Wir kümmern uns darum“ reicht nicht.
  3. Ton: freundlich, ruhig, nicht unterwürfig. Eine Entschuldigung genügt, drei wirken unsicher.
  4. Verständlichkeit: kurze Sätze, keine internen Fachbegriffe, bei mehreren Schritten eine Aufzählung.
  5. Korrektheit: Rechtschreibung, Name richtig geschrieben, Fakten aus den Unterlagen richtig übernommen.
  6. Zeit: Du musst in der vorgegebenen Zeit fertig werden. Eine vollständige gute Antwort ist besser als eine perfekte halbe.

Beispiel: eine schwache und eine starke Antwort

Die Testanfrage: „Ich habe vor zwei Wochen einen Staubsauger bestellt und ihn immer noch nicht. Außerdem wurde mir der Betrag schon abgebucht. Ich will mein Geld zurück, wenn er nicht bis Freitag da ist! Petra Krüger“

Schwach: „Sehr geehrte Kundin, wir bedauern die Unannehmlichkeiten sehr und entschuldigen uns vielmals. Leider kann es bei Lieferungen zu Verzögerungen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Mit freundlichen Grüßen“

Stark: „Guten Tag Frau Krüger, es tut mir leid, dass Sie so lange warten. Ich habe nachgesehen: Ihr Staubsauger ist seit gestern unterwegs und kommt laut Paketdienst am Donnerstag an. Den Link zur Sendungsverfolgung finden Sie unten. Die Abbuchung ist korrekt, denn bei uns wird der Betrag bei Bestellung eingezogen. Falls das Paket am Freitag nicht bei Ihnen ist, melden Sie sich bitte. Dann erstatten wir Ihnen den Betrag sofort. Viele Grüße, Jana vom Kundenservice“

Die starke Antwort spricht Frau Krüger mit Namen an, beantwortet beide Punkte (Lieferung und Abbuchung), nennt einen konkreten Termin und geht auf ihre Forderung ein. Sie braucht dafür nur eine Entschuldigung. Die schwache Antwort ist höflich, beantwortet aber keine einzige Frage.

Tipp: Steht in der Aufgabe keine Information zum Sendungsstatus, erfinde keine. Schreib stattdessen, was du prüfst und bis wann sich die Person meldet oder du dich meldest. Erfundene Fakten gelten im Test als Fehler, genau wie im echten Job.

Du oder Sie? Den richtigen Ton treffen

Viele Marken duzen ihre Kundschaft, Banken und Versicherungen siezen fast immer. Wenn die Aufgabe nichts vorgibt, schau dir die Website des Unternehmens an und übernimm die Anrede, die es selbst verwendet. Bist du unsicher, ist „Sie“ die sichere Wahl. Wichtiger als die Anrede ist, dass du sie konsequent durchhältst. Ein Wechsel mitten im Text fällt sofort auf.

Übungsplan für eine Woche

  • Tag 1: Zehn Beschwerden aus öffentlichen Onlinebewertungen sammeln. Für jede notieren: Was will die Person eigentlich?
  • Tag 2: Drei davon als E-Mail beantworten, ohne Zeitdruck. Mit dem Aufbau Verständnis, Lösung, nächster Schritt, Gruß.
  • Tag 3: Chat üben: Jemand schreibt dir als „Kunde“ per Messenger, du antwortest in höchstens zwei Minuten pro Nachricht.
  • Tag 4: Rechtschreibung auffrischen: das/dass, Kommas vor „dass“ und „weil“, Großschreibung der Anrede „Sie“.
  • Tag 5: Drei E-Mails mit Stoppuhr schreiben, je höchstens zehn Minuten. Danach laut vorlesen und kürzen.
  • Tag 6: Tipptest machen und die eigene Geschwindigkeit notieren. Die Website des Arbeitgebers lesen: Anrede, Ton, Produkte.
  • Tag 7: Pause oder ein letzter lockerer Durchgang. Technik für den Test prüfen.

Tipps für den Testtag

  • Erst lesen, dann schreiben: Unterstreiche die Fragen in der Anfrage, bevor du anfängst.
  • Zeit einteilen: Bei mehreren Aufgaben die Zeit vorher aufteilen und am Ende zwei Minuten zum Korrekturlesen einplanen.
  • Keine KI-Tools, wenn sie nicht erlaubt sind: Arbeitgeber wollen sehen, wie du schreibst. Wer beim Nutzen verbotener Hilfsmittel auffällt, ist raus.
  • Ruhige Umgebung: Wie bei der Arbeit selbst: Tür zu, Handy stumm, stabile Internetverbindung.

Wie die übrigen Schritte der Bewerbung ablaufen, erklärt der Ratgeber Bewerbung für Homeoffice-Jobs.

Mehr zum Thema: Welche Jobs es ohne Telefon gibt und welche Fähigkeiten zählen, erklärt der Ratgeber Kundenservice ohne Telefon.

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